Sag “NEIN” zu Gewalt in der Hundeerziehung!

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Kennt ihr den “Ruck & Zuck”-Artikel in der Zeitschrift DOGS zum Einsatz des Leinenrucks?

Erstellt von Claudia am Freitag 10. Dezember 2010

Wenn nicht, lest ihn Euch am besten gar nicht erst durch. Es lohnt sich nicht.

Für all diejenigen, die ihn kennen und sich verleitet sehen, doch an ihren Hunden einen fachmännischen Leinenruck einzusetzen, für die habe ich einige Worte des Nachdenkens, den ich in Form eines Leserbriefes an die Zeitschrift übersandt habe.

Warum schreibe ich Euch das? Zum Einen natürlich weil ich hoffe, dass Ihr die alte Leinenruck-Methode nicht an Euren Hunden einsetzt, zum Anderen aber auch, weil ich hoffe, dass Ihr kritisch irgendwelche Trainings-Schematas  hinterfragt. Auch sogenannten "Experten" sind keine "Halbgötter in Anglerweste!" (siehe Flyer zur Kampagne Sag NEIN zu Gewalt in der Hundeerziehung).

„Leserbrief Ruck & Zuck“

Unbekanntes Objekt

In der DOGS-Ausgabe 11/2010 las ich Ihren Artikel zum Einsatz des Leinenrucks.

So viele Ungereimtheiten auf so wenig Text verteilt lesen zu müssen, hat mich schon etwas schockiert. Ganz abgesehen von der sachlich-fachlichen Ebene dieses Themas.

Gleich zu Beginn Ihres Artikels schreiben Sie „Viele Hundetrainer halten ihn (den Leinenruck) für gesundheitlich bedenklich und Ausdruck eines Unvermögens.“ Ja genau, möchte der geneigte Leser jubilieren – richtig erkannt, lieber Schreiber. Am Ende Ihres Artikels jedoch dann plötzlich „Einigkeit in der Hundetrainer-Welt?“ („Einigkeit herrscht unter allen Hundetrainern darüber, dass sich der Leinenruck als Standarderziehungsmethode eignet.“) Mal abgesehen davon, dass es so etwas wie Einigkeit unter allen Hundetrainern wohl niemals geben wird, so sind Ihre Zeilen ein Widerspruch in sich. Was denn nun? Einigkeit oder Ablehnung? Ich jedenfalls bin nicht gefragt worden und ich gehöre doch ganz sicher dazu – zu dem Klientel „alle Hundetrainer“. Also bitten fragen Sie doch nach, wenn Sie schon solche Pauschalurteile abgeben.

Noch diffuser empfinde ich Ihre Darstellungen zum Leinenruck. Einerseits räumen Sie in Ihrem Gespräch mit der Veterinärmedizinerin die gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen eines Leinenrucks ein (wobei sich selbst dort Widersprüchliches finden lässt alà „… mit einem gut sitzenden, breitem Halsband kann man in bestimmten Situationen vorteilhafter EINWIRKEN“), andererseits erhält der Leser ein patentiertes Leinenruck-Rezept, einsetzbar schon für den Welpen.

Nein, der Besitzer eines schlecht erzogenen Hundes soll nicht angesichts eines bedrohlichen Reizes, einer Katze, eines Joggers, eines fremden Hundes an der Leine rucken (das macht der unerzogene Hund dann auch schon ganz alleine), sondern nach dem beschriebenen Patentrezept eines Hundetrainers möge doch Wuffi-Halter bitte ganz prophylaktisch außerhalb von Reizeinflüssen den Leinenruck zur Verunsicherung und Aufmerksamkeitssteigerung des Hundes einsetzen. Wie perfide ist das denn? Es erinnert mich doch stark an den lange Jahre praktizierten „prophylaktischen Alphawurf“, der aus heiterem Himmel spontan eingesetzt die Klärung der Machtverhältnisse herbeiführen sollte. Vor vielen Jahren wurde ich Zeuge einer ähnlichen Trainingsphilosophie, die auf Verunsicherungen basierte. Eine Riesenschnauzer-Hündin wurde fast zu Tode geschlagen, um sie zum Beißen im Rahmen ihrer Schutzdienst-Ausbildung zu bewegen. Der Trainingsansatz war, dass sie aus ihrer Todesangst heraus das Selbstbewusstsein zum Zubeißen schöpfen sollte und künftig generell viel mehr Selbstbewusstsein durch diese Prozedur haben würde.

Mit Fairness oder Respekt gegenüber dem Lebewesen Tier hat diese Trainingsanleitung wohl kaum etwas zu tun. Irgendwer brachte mir einst bei: „Jeder gute Trainer hat mindestens fünf individuelle Trainingsmethoden für das jeweilige Problem des Hundes in der Tasche.“ Und da ist nicht eine einzige dabei, die ohne Gewalteinwirkung und massive Verunsicherung, eben ohne Leinenruck funktioniert?

Kindererziehung und Hundeerziehung haben häufig Parallelen. Glücklicherweise bin ich nicht nur Hundetrainerin, sondern auch Mutter zweier Töchter. Ich weiß nicht, ob meine Beziehung zu meinen Töchtern noch so gut wäre, wenn ich den Weg der Verunsicherung gewählt hätte. Beispielsweise beim Fernsehgucken. Ich gebe meiner zehnjährigen, fernsehversessenen Tochter den Anschein, es wird ein gemütlicher Fernseh-Nachmittag. Ich suggeriere ihr mit jeder Geste, mit jeder Bewegung meines Körpers: „Jetzt wird es schön. Wir schauen gemeinsam fern.“ Ganz ähnlich wie meinem Hund, den ich an die Leine lege, um mit ihm spazieren zu gehen. In Gedanken weiß ich schon, was ich tun würde, sobald die Hand meiner Tochter auch nur ansatzweise zur Fernbedienung geht – peng – eine heftige Ohrfeige knallt auf sie zu, die ihren Kopf zur Seite fliegen lässt. Und richtig, die kleine Hand geht zur Fernbedienung – schließlich sitzen wir im Wohnzimmer mit dem Blick erwartungsvoll zum Fernseher. Pah – schon klatscht es. Auch bei meiner Jüngsten würde die beschriebene „massive Verunsicherungsstrategie“ fruchten und das Brennen auf der Wange wäre ihr noch lange im Gedächtnis. Als sie mich anschaut, halte ich mich an die vorgeschriebene Vorgehensweise: Ich schaue ganz gelassen und entspannt zum Fernseher. Kein Wort verliere ich über die Ohrfeige. Und reden, nein reden oder „kommunizieren“ werde ich erst recht nicht mit ihr. Ziel ist es doch, ihr über Verunsicherung und schmerzhafter Einwirkung bewusst zu machen, dass sie sich an mir orientieren muss, sprich mich fragen sollte, ehe sie zur Fernbedienung greift. Irgendwie krank oder?

Glücklicherweise fallen mir weder im Umgang mit meinen Kindern noch im Umgang mit den Hunden – egal ob meine, Kundehunde oder mir anvertraute Tierschutztiere – jemals solch perfide Verunsicherungsstrategien ein. Der Weg der gemeinsamen Kommunikation – egal ob Mensch oder Tier gegenüber – ist dann doch allemal der Bessere. Warum dem Hund nicht ohne massive Einschüchterungs- und Verunsicherungspraktiken zeigen, was man will? So schwer ist das doch wirklich nicht. Denn jeder guter Trainer hat doch mindestens fünf andere Möglichkeiten in der Tasche oder etwa nicht?

Claudia Hauer

Gründerin und 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Welpennothilfe e. V.
Inhaberin der Hundeschule feel4dogs
Initiatorin der deutschlandweiten Kampagne „Sag-NEIN-zu-Gewalt-in-der-Hundeerziehung“

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